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Interview mit Angelika Loderer
Mexico City

Anfang 2017 präsentierte Angelika Loderer im Rahmen einer Einzelausstellung ihre Arbeiten in der Wiener Secession. Im Februar ist sie nach Mexico City gereist, wo wir sie im Frühling getroffen haben. Ein Gespräch über Arbeitsprozesse, das Lehren und ihre Erfahrungen dort. 

Seit ein paar Wochen bist du für insgesamt zwei Monate hier. Wie hat sich der Aufenthalt ergeben? Ich wurde von meiner ehemaligen Studienkollegin Alessa Esteban eingeladen. Sie ist Mexikanerin und hat 2008 – 2011 mit mir an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Erwin Wurm studiert und eine Kooperation mit der Kunstuniversität „La Esmeralda“ angeregt, an der ich über mehr als einen Monat einen „Invited Artist Workshop“ leiten darf und mit den Studierenden eine Ausstellung erarbeite.

Wie läuft das Unterrichten? Hast du Erfahrung damit? Ich muss sagen, ich mag das Unterrichten sehr gerne. Ich glaube, man muss es halt so gestalten, dass man auch selber etwas davon hat und nicht nur gibt. Insofern hatte ich keine Erfahrung. Man braucht grundsätzlich etwas Disziplin und Ordnung, aber ansonsten behandle ich die Studierenden wie KollegInnen, die man auf ehrliche Weise in einem Diskurs in ihrem Schaffen zu unterstützen versucht. 

Angelika Loderer, Coyoacán, Mexico City

Angelika Loderer, Coyoacán, Mexico City

Was entwickelt ihr zusammen? Der Workshop, den ich leite, ist dem Thema „Human Perception and Environmental Experience“ gewidmet. Dabei besuchen wir von Studenten vorgeschlagene Orte in Mexico City, die Ihnen wichtig sind für ihre Arbeitsweise. Wir haben bestimmte Gegenden erkundet und dann gemeinsam über unsere Eindrücke gesprochen und reflektiert. Danach wollte ich, dass sich jeder selbst Zeit nimmt und die Gegend erarbeitet. Manche haben anhand von Fotos dokumentiert, skizziert, Dinge gesammelt oder sind auch immer wieder zurückgegangen. Aus diesen Erlebnissen und Recherchen in Bezug auf ihre künstlerische Arbeitsweise haben wir in Gesprächen neue Arbeiten entwickelt, die in der Ausstellung am Ende des Workshops zu sehen sein werden.

Hattest du einen guten Start? Wie beeinflusst die neue Umgebung deine skulpturale Arbeit, dein künstlerisches Denken? Angefangen hat alles gleich mit der Arbeit an der Universität. Es gab noch einiges zu organisieren und klären, daher waren die ersten zwei Wochen von Wohnungssuche, Orientierung in der Stadt und dergleichen bestimmt, aber dabei habe ich mich schon mal mit Mexico City vertraut gemacht und konnte auch gleich Freundschaften schließen. Ich nutze die Zeit des Lehrauftrages, um neue Erfahrung zu machen, aber auch um eine neue Kultur, Sprache und Alltagsästhetik kennenzulernen. Dabei stehen Streifzüge durch die Stadtteile oder Museumsbesuche für mich im Vordergrund. Es sind viele Dinge anders und jeder Tag bringt neue Überraschungen. Mexico City ist jedoch auch etwas ermüdend und man kann sich dann doch nicht all zu viel vornehmen. Oft ergeben sich bei mir Arbeiten aus den alltäglichen Situationen heraus, diese dokumentiere ich anhand von Fotografien, um sie später weiter auszuarbeiten. Danach zeichne ich viel und formuliere diese Ideen auf dem Blatt weiter aus. Viele Eindrücke werde ich dann auch in Österreich im Atelier umsetzen.

Was beschäftigt dich momentan, welche Formen und welche Inhalte? Neben dem Stadtleben konnte ich auch Erfahrungen im ländlichen Raum von Mexiko sammeln. Ich glaube, das sind Orte, die mich teilweise mehr faszinieren. Die Natur ist so anders, als ich sie von Europa kenne und auch die Arten- und Formenvielfalt ist aufregend. Meistens sind die Leute auf dem Land auch entspannter. Ich finde es interessant, wenn überall Sachen herumliegen. Wo es so scheint, als ob sie keiner braucht. Da fängt es in meinem Kopf auch gleich zu rattern an. Ich mag es mit vorgefundenen Materialien zu arbeiten. Die setzen mich weniger unter Druck und man kann Dinge ausprobieren. Wenn mir die Arbeit nicht gefällt, lege ich sie wieder zurück. Das ist anders, als wenn man teure Materialien einkauft und dann nicht weiß, was man damit tun soll.

„Untitled (Z)“ (El Quinto Piso), Messing, 2017

Du experimentierst gerne mit ungewöhnlichen Materialkombinationen, oft mit Stoffen, die aufeinander reagieren. Was bearbeitest du gerade? Die Suche nach neuen Materialien endet nie, vor allem nicht in einer Stadt mit 22 Millionen Einwohnern. Die Kultur ist doch sehr anders und es ist spannend ständig auf der Suche nach neuen Formen zu sein. Es kann auch süchtig machen. Gerade hat es mich aber doch in die Gießerei der Universität gezogen, in der ich auch arbeiten darf. Dort setze ich Dinge um, die ich in der Stadt sehe.

Wo holst du dir Inspiration für dein Werk, eher in der Stadt, oder in der Natur? Beides.

Kannst du den kreativen Prozess deines Schaffens nachvollziehen, oder arbeitest du mehr intuitiv? Nein, eigentlich arbeite ich sehr nachvollziehbar. Ich erarbeite mir zuerst spielerisch die Eigenschaften der Materialien und beobachte die Dinge mit einem gewissen Feingefühl, aber dann setze ich sie schon so ein, wie ich es plane. Aber was dann genau rauskommt, macht oft das Material selber. In der Ausstellung in der Wiener Secession nannten sie meine Arbeiten „medienreflexiv“ bis performativ, das fand ich sehr zutreffend.

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„Untitled" (Secession), Sand, Metall, Myzel, Holz, Plexiglas, C-Print, 2017. Foto: Matthias Bildstein

Deine Skulpturen wirken auf mich, als würde der Widerspruch Selbst- oder gar Steitgespräche führen – aber mit einer gewissen Leichtigkeit und Coolness. Ein wohliges Gefühl tut sich da auf, obwohl Unvergleichbares am Werk ist und auch der Zufall mitspielt. Du bringst die Dissonanz zum Klingen. Sehe ich das richtig so? Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der sich eher schwer zwischen Dingen entscheiden kann, ich glaube das kommt vielleicht in meiner Arbeit auch zum Tragen.

Deine Arbeiten sind präzise und gewagt, ist das dein Anspruch? Ich teste gerne Grenzen aus.

Bist du offen für Veränderung, oder eher um einen Standpunkt bemüht? Offen.

Deine Skulpturen wirken auch selbstbewusst und ein wenig selbstgenügsam, also menschlich. Ist das gewollt? Ja, interessant, dass du das sagst. Ich glaube vielleicht liegt es daran, weil sie sich oft selbst formen und in sich schlüssig sind.

Ist Leichtigkeit auch eine künstlerische Herausforderung bei der Gestaltung? Ja, immer wieder.

Farbigkeit spielt eine große Rolle. Woran orientierst du dich bei der Wahl? Die Farben ergeben sich oft aus dem Prozess, oder werden von dem Material bestimmt. Ich füge Farben selber nicht so gern hinzu. Es ist mir oft zu vage.

Wirst du auch deine Arbeiten hier ausstellen? Wenn ja, wann und wo? Ja es wird Arbeiten zu sehen geben, die ich auch während des Workshops erstellt habe. Die Studierenden und ich laden Ende April zu einer Gruppenausstellung mit dem Titel „Platonic Dust“ im Offspace einer Hochhausgarage „El Quinto Piso” im Centro Historico ein. Am Tag nach dem Opening wird auch ein kleiner Brunch stattfinden. 

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Ausstellungsansicht „Platonic Dust" (El Quinto Piso), 2017

Vor Kurzem ist deine Ausstellung in der Wiener Secession zu Ende gegangen. Was steht als nächstes an? Mitte Mai werde ich in Wien bei der Gruppenausstellung „To figure it out” in der neuen Galerie „Sophie Tappeiner” dabei sein. Dort ist auch eine Einzelausstellung für Ende Oktober geplant. Man darf gespannt sein... 

Ende 2017/18 ergänzen wir: .... auf eine Ausstellung im Grazer Kunstverein, eine Solo Show in Turin/Italien und einige internationale Gruppenausstellungen.

Danke Angelika!

Interview: Dajana Dorfmayr

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Angelika Loderer *1984 lebt und arbeitet in Wien. 

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„Untitled” (Galerie Sophie Tappeiner), Bronze, 2016. Foto: Angelika Loderer

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Ausstellungssicht „Quiet Fonts” (Galerie Sophie Tappeiner), Sand, Metall, Messing 2017. Foto: kunst-dokumentation.com