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Interview StadtFabrik & LWZ
Wien

Das „Notebook for Change“ – ein Produkt der StadtFabrik – ist vor Kurzem im Verlag für moderne Kunst erschienen. Es ist ein Werkzeug des Wandels, ein Notizbuch, das Design dort wirken lässt, wo zukunftsfähiger Wandel letztendlich passiert: In der Stadt und bei uns Menschen. In den folgenden Interviews (MAK BLOG NACHGEFRAGT bei IDRV und LWZ) kommen die Projektbeteiligten Harald Gründl und Viktoria Heinrich vom IDRV – Institute of Design Research Vienna sowie die Gestalter Tobias Schererbauer von LWZ & Sebastian Pataki zu Wort.

Die StadtFabrik: Wer und was ist das? Die StadtFabrik, ein Forschungslabor für neue kreative Arbeits-, Lebens- und Gestaltungsweisen in Wien, untersucht die zukunftsfähigen, kreativen Potentiale Wiens und versucht, seine AkteurInnen und Pionierprojekte sichtbar zu machen. Im Rahmen von verschiedenen Formaten wird so eine Plattform für Wiener Kreative geschaffen, die interdisziplinäre Kommunikation fördern soll. 

Viktoria Heinrich und Harald Gründl © Fabian Stern/IDRV

Gemeinsam mit dem MAK (Marlies Wirth und Janina Falkner) und der Wirtschaftsagentur Wien, Kreativzentrum departure (Elisabeth Noever-Ginthör und Alice Jacubasch) ist das IDRV – Institute of Design Research Teil des StadtFabrik-Teams.

Hintergrund des Projekts StadtFabrik: Seit wann gibt es die StadtFabrik? In welchen Formaten? Das Format StadtFabrik hat sich ursprünglich aus der Vienna Biennale 2015: Ideas for Change entwickelt. Gemeinsam mit dem damaligen MAK-Kurator Thomas Geisler entstand die Idee eines „Real-time“-Forschungslabors, das mithilfe von sogenannten Demonstratoren – Versuchsanordnungen im Stadtraum – neue Arbeits- und Produktionsmöglichkeiten im kreativen Kontext sichtbar macht und einen Möglichkeitsraum für alternative Gestaltungskonzepte eröffnet. 

StadtFabrik Kick-off, Arbeitspräsentation und Get-together, 21. Juni 2016 MAK Design Space © Aslan Kudrnofsky/MAK

StadtFabrik Kick-off, Arbeitspräsentation und Get-together, 21. Juni 2016 MAK Design Space © Aslan Kudrnofsky/MAK

Seit 2016 ist diese Idee unter dem Namen „StadtFabrik“ in verschiedenen Formen aktiv: 2016 mit dem Fokus auf die Themen „Commoning“, „Inklusion“ und „zukunftsfähige Produktion (Future Production)“ und im Kontext der Vienna Biennale 2017: Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft als Ausstellung unter dem Titel „StadtFabrik: Neue Arbeit. Neues Design“.

Im Fokus jedes Formats steht dabei immer ein zukunftsfähiger Designbegriff, der neben ökologisch nachhaltigen Themen auch sozial, gesellschaftlich und politisch relevante Inhalte einbezieht und einen holistischen Blick im Design erfordert. Die Fragen „Wie wollen wir in Zukunft leben, arbeiten und gestalten?“ und „Wie sehen alternative und nachhaltige oder zukunftsfähige Produktionsweisen aus?“ stehen im Fokus des Forschungslabors.

StadtFabrik „Demonstratoren in der Stadt We Make, Kampagne Give Al. Don´t waste Al“, Vienna Biennale 2017 © eSeL.at – Lorenz Seidler

Ausstellungsansicht „Vienna Biennale 2017: Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft – StadtFabrik: Neue Arbeit. Neues Design" (MAK-Ausstellungshalle) © Peter Kainz/MAK

Kooperation: Mit wem wird zusammengearbeitet? Wer sind die Verbündeten? Verbündete haben wir viele: In Wien gibt es eine Vielzahl an Projekten und AkteurInnen, die die Stadt mit neuen Ideen bereichern und nach ihren Vorstellungen hin verändern. Sei es Team Wien mit ihrem partizipativen Stadtprojekt „Park macht Platz“ oder Markus Jeschaunig, der die Abluft von U-Bahn-Schächten nutzt, um Gemüse in der Stadt zu produzieren. Vor allem die Projekte der Demonstratoren im Rahmen der StadtFabrik 2016 zeigen, wie man auch jetzt schon nachhaltig und lokal produzieren, kooperativ zusammenarbeiten und ganz allgemein ein Bewusstsein für zukunftsfähiges Design schaffen kann. Seit 2016 haben wir intern über 250 Projekte ausfindig gemacht, die exemplarisch für die Inhalte der StadtFabrik stehen.

IDEO „Work on Wheels“ ​ist Teil des IDEO-Gesamtprojekts „The Future of Automobility".

IDEO „Work on Wheels“ ​ist Teil des IDEO-Gesamtprojekts „The Future of Automobility".

StadtFabrik 2018: Was steckt dahinter? Bei der StadtFabrik 2018 #wiegehtveränderung ging es vor allem darum, die Inhalte der vorangegangenen beiden Jahre zusammenzufassen und auf den von uns zusammengetragenen Projekten aufzubauen. Wir wollten wissen: Wie schaffen diese Projekte einen Wandel in Wien hin zu einer wünschenswerteren Zukunft und wie funktioniert Veränderung? Gibt es dafür ein Rezept? Wie können wir eine Vernetzung von Projekten und AkteurInnen untereinander schaffen?

Gemeinsam mit LWZ haben wir sodann eine Art Logbuch für den Wandel erarbeitet. Mithilfe dieses Hefts wollten wir die Vernetzung nicht nur innerhalb der kreativen Szene Wiens erreichen, sondern ein allgemeines Bewusstsein für neue Arbeits- und Lebensweisen fördern. Das Logbuch hilft, eigene Ideen weiterzudenken und Projekte mit anderen zu teilen. Wünschenswert ist, dass dieses Logbuch als eine Art Leitfaden sichtbar wird, der anbietet, selbst aktiv zu werden. Wandel kann dabei schon im Kleinen beginnen, es braucht nicht immer ein großes Projekt.

LWZ & Sebastian Pataki: Wer ist das? LWZ ist ein Design & Animationsstudio in Wien an der Donau. Sebastian Pataki ist Gestalter in Frankfurt am Main. Wir arbeiten seit 2009 bei verschiedenen gestalterischen Projekten zusammen. 

Sebastian Pataki

Gruppenfoto LWZ v.l.n.r.: Tobias Schererbauer, Stefan Salcher, Markus Wagner und Martin Lorenz

LWZ und StadtFabrik: Wie und wann kam es dazu? Wir haben im Mai 2018 begonnen zusammenzuarbeiten. Gestartet hat das Projekt mit einem Workshop geleitet vom Resilienzforscher Harald Katzmair. In einer großen Diskussionsrunde mit Akteuren und Akteurinnen aus Design, Industrie und Wirtschaft wurden in einem computergestützten Prozess Hebelpunkte erarbeitet, die Veränderungen in der Stadt einleiten können. Die entstandene Liste von teilweise abstrakten, aber auch verbrauchten Begriffen war für uns der Ausgangspunkt des Entwurfs. Wir begannen zu überlegen, wie wir diese Wörter in eine Form übersetzen und neu aufladen können. 

„Notebook for Change“, Logbuch zur StadtFabrik 2018, © LWZ

Wie schafft ihr Sichtbarkeit für die Themen der StadtFabrik? Mit einigen der Themen haben wir uns schon vor dem Projekt StadtFabrik 2018 beschäftigt. Wenn auch nicht intensiv, aber wir stellten uns bereits ähnliche Fragen, hatten vergleichbare Gedanken oder Überlegungen. In der Visualisierung der Themen war uns ein interaktiver Moment wichtig. Offen angelegt, soll die Grafik zum Mitwirken und Fertigstellen anregen, Betrachter und Betrachterinnen einbeziehen, Assoziationen eröffnen, keine vorgefertigten Lösungen vorgeben und überraschen. Durch das „Notebook for Change“, eine Art Logbuch, in dem die Ergebnisse des Workshops und der weiteren Arbeitsprozesse rund um die StadtFabrik 2018 veröffentlicht werden, schaffen wir eine persönliche Ansprache. Auf den ersten Blick ein unauffälliges Ding, das aber fordert, überrascht und hoffentlich eine große Wirkung entfalten wird. 

Finaler Entwurf: Was könnt ihr uns zum finalen Konzept erzählen? Das Logbuch ist eine Art kreativer Parcours, durch den man sich im Geist bewegt. Es macht Spaß diesen zu durchschreiten, aber man wird auch gefordert. Teil des Konzepts ist es, den Leser oder die Leserin stark einzubeziehen. Das geschieht durch Fragen und Handlungsanweisungen, die verschiedene Lesarten oder Lösungsansätze zulassen. Häufig gibt es weder die eine Antwort noch die perfekte Lösung. Der Fokus liegt auf dem Prozess und der gedanklichen Auseinandersetzung. Hier setzen wir auf Anstöße, die kreative Prozesse und Veränderungen in Gang setzen. 

„Notebook for Change“, Logbuch zur StadtFabrik 2018 © LWZ

„Notebook for Change“, Logbuch zur StadtFabrik 2018 © LWZ

Konkret gibt es einen großen Teil, der als Notizbuch fungiert, wobei die Linien durch Fragen gezielt gestört oder unterbrochen werden. Zwischendurch findet man formatfüllende, grafisch-illustrative Handlungsanweisungen, die über das Smartphone mit der App ARTivive in Bewegung gesetzt werden, und so weitere Inhalte und Ebenen freispielen. Hier funktioniert die Koppelung verschiedener gestalterischer Techniken – analog und digital, Grafik und Mixed Reality – und die Zusammenarbeit von Kreativen als Signal, dass Veränderung gut im Verbund erreicht werden kann.

Besten Dank an das StadtFabrik-Team, an LWZ und das MAK!

Interview: MAK BLOG NACHGEFRAGT bei IDRV und LWZ