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Interview mit Juan Lopez
Gato Negro, Mexico City

Der in Mexico City ansässige Verleger Juan Lopez tut, was ihm wichtig erscheint. Eines seiner verlegten Bücher ist „Das Wort, als Fleisch verkleidet”, eine Essay-Sammlung von Elfriede Jelinek. Ein willkommener Anlass für ein Gespräch.

Wie viele Leute arbeiten für Gato Negro? Unser Kernteam besteht aus drei Mitarbeitern, aber es gibt darüber hinaus viele Freunde, die uns helfen. 

Was ist kennzeichnend für Gato Negro und die Bücher, die in diesem Verlag erscheinen? Das ist eine komplexe Frage, daher möchte ich mich zunächst auf einen Aspekt beschränken. Gato Negro wurde aus dem Wunsch heraus ins Leben gerufen, Bücher veröffentlichen zu wollen. Ich fühle mich an jene Zeit erinnert, als ich auf der Schreibmaschine meiner Eltern zu schreiben begann. Es war einfach ungeheuer befriedigend, etwas zu Papier zu bringen, also kam mir jede Idee gelegen, um die Maschine benutzen zu können (oder vielleicht auch von ihr benutzt zu werden). Gato Negro entspringt in seiner heutigen Form dem Wunsch, Bücher zu drucken und zwar mit einem Riso-Drucker. Anfangs hatten wir keine konkrete Vorstellung, welche Art von Büchern wir herausgeben oder produzieren wollten. Es gab noch kein Programm und kein Konzept im heutigen Sinne. Wir waren uns lediglich sicher, dass wir ein klares Design bevorzugten. 

Juan Lopez

Der Riso-Drucker

Was sind Ihrer Ansicht nach die Vor- und Nachteile von Druckerzeugnissen? Eine gute Frage, aber ich weiß nicht, wie ich sie beantworten soll. Wenn wir gedruckte und digitale Medien als Gegensatz begreifen, verteidigen wir das Gedruckte als eine Technologie mit Besonderheiten, die andere Medien nicht bieten. Ein Buch ist beispielsweise ein Objekt, das aus gebundenen Seiten besteht, das heißt es erfordert Zeit, jede dieser Seiten umzublättern. Zugleich hat jede Seite eine Bedeutung und ist mit dem Rest der Konstruktion des Buches verbunden. Diese Vereinigung aus Form und Bedeutung kann durch andere Medien nicht ersetzt werden. Bei manchen Büchern versuchen wir mit dieser Logik zu experimentieren bzw. wir verbinden Bedeutungen durch die Gegenüberstellung, wie sie sich aus den Seiten ergibt. Es ist merkwürdig, dass wir oft gefragt werden, ob wir dieser Form von Arbeit nicht eine Einführung voranstellen können, aber das ist unserer Ansicht nach sinnlos, denn sie spricht für sich selbst. Das ist fast so als wollte man einen Witz erklären.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Themen, Künstler und Texte, die Sie veröffentlichen? Anfangs sind wir lediglich unserem Gefühl gefolgt, mittlerweile konzipieren wir Buchreihen wie z.B. eine Fotobuchserie oder eine Reihe von Manifesten, daher schenken wir diesen Themen eine größere Aufmerksamkeit. 

4 N0 C1243

Gato Negro Titel

Auf der Kunstbuchmesse Index bin ich auf das „Buch der Lüste“ von Raoul Vaneigem gestoßen. Ist es leicht, die Rechte für die Titel berühmter Autoren zu bekommen? Am schwierigsten ist die eigentliche Kontaktaufnahme mit den Autoren, aber sobald das gelungen ist, geht die Sache voran. Zumindest gilt dies für die Bücher, die wir bislang veröffentlicht haben. Aber wir haben sehr viele Emails verschickt, ohne jemals eine Antwort zu erhalten. Das heißt, wir hatten viel Glück mit unseren Publikationen.

Innenhof im Verlag

In welcher Auflage erscheinen die Titel im Allgemeinen? Normalerweise drucken wir 100 Exemplare, in letzter Zeit auch mal das Doppelte, aber nicht viel mehr als das. Wir haben nicht genügend Kapazitäten, um höhere Auflagen zu produzieren. 

Sie nehmen weltweit an allen großen Kunstmessen teil und Sie vertreiben Ihre Bücher über ziemlich prominente Kanäle – MOMA PS1 NY, Anagram Books Europe, Motto und so weiter. Wie lange hat es gedauert, bis Sie an diesem Punkt angelangt waren? Und was ist der nächste Schritt? Das hat ungefähr drei Jahre in Anspruch genommen. Ich möchte in den kommenden Jahren noch viele Bücher herausgeben, allerdings wäre es gut, wenn ich nicht von zusätzlichen Jobs abhängig wäre und mich somit auf Gato Negro konzentrieren könnte. Das wäre nicht nur der nächste Schritt, sondern ein großer Sprung.

Sie sind sozusagen die Punks unter den Verlegern, werden Sie sich diese anarchische und kämpferische Haltung bewahren können? In Mexiko als Verleger zu arbeiten ist eine ziemlich undankbare Aufgabe, da hier erschreckend wenig gelesen wird. Im Prinzip gibt es kaum Leute, die lesen. Ich muss immer an diese Bemerkung von Raymond Radiget denken, der gesagt hat, dass es immer diese Leute gibt, die anfangs stehen und laut sind, und am Ende dann sitzen.  Ich bin gar nicht so extrem anarchisch und kämpferisch, auch wenn ich es gerne wäre, ich mache lediglich was für mich oder für uns von Bedeutung ist. 

Und was ist der beste Buchladen in der Stadt? Natürlich die Buchläden die unsere Bücher verkaufen! Da ich nicht viel Geld habe, gehe ich vorzugsweise in Antiquariate und kaufe gebrauchte Bücher. Da bekomme ich mehr für mein Geld.

Vielen Dank!

Interview: Dajana Dorfmayr